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gutnius No. 8 / Rundbrief von Anfang Dezember 2011

Liebe Freunde!                

Ein Bekannter von uns ist Pilot hier in PNG. Vor kurzem berichtete er folgendes: Beim Betreten des Flugzeugs wur­den alle Passagiere gezählt. Eine Mutter trug ihr Baby, wie das oft geschieht hier, in einem Bilum (Trage­netz). Die Stewardessen zählten das Baby natürlich mit. Kurz vor dem Abflug zählten sie die Passagiere erneut und stellten fest, dass einer fehlte. Auch ein nochmaliges Zählen änderte an der Differenz nichts. Sie holten den Piloten, unseren Bekannten, und baten ihn um Hilfe. Zusammen befragten sie die Passagiere, ob sie etwas bemerkt hätten. Sie kamen zu der Mama, die ihr Baby im Bilum mit an Bord gebracht hatte. Und die meinte: Ja, ihr habt doch eben eine Durchsage gemacht, dass man alles Handgepäck unter dem Sitz oder in den Gepäckfächern über den Sitzreihen verstauen muss. Ich bin eurer Anweisung natürlich gefolgt… Und siehe da: Als der Pilot das Gepäckfach aufmachte, fand er das Kind im Bilum liegen. Es ging ihm gut, wurde seiner Mutter in die Arme gelegt, die Stewardessen erklärten kurz, dass Babys grundsätzlich nicht im Gepäckfach abgelegt werden sollten und das Flugzeug konnte abheben :-)

So sind wir also wieder mittendrin in der irgendwie ganz anderen und doch selben Welt!

Wir freuen uns über die vielen Möglichkeiten, die unser Leben und unsere Arbeit hier bieten. In Menschen zu investieren, die in ihren Dörfern und Gemeinden wieder anderen Menschen helfen, sie prägen  und fördern – dafür schlägt unser Herz.

Bibelschule

Nach unserer Rückkehr aus dem Heimataufenthalt bin ich als Lehrer an der Bibelschule eingestiegen. Sie liegt ja gerade einen Steinwurf von unserem Haus entfernt.

In diesem Schuljahr, das gerade zu Ende gegangen ist, hatten wir etwa 30 Studentinnen und Studenten; fünf haben Ende November graduiert.

Die Zusammensetzung unserer Studenten ist ganz bunt: Viele sind Singles, aber manche kommen als Familien. Ein guter Anteil kommt von Manus, aber andere aus anderen Landesteilen. Manche kommen von unserer eigenen Kirche, aber eine ganze Zahl von anderen Gemeindeverbänden. Manche haben ihr Studium gerade begonnen, andere haben schon als Pastoren gearbeitet und kommen zur Weiterbildung. Ich unterrichte echt gerne und Studenten in ihrem Verständnis wachsen zu sehen, ist eine wertvolle Belohnung für manche Nachtstunde im Büro zur Unterrichtsvorbereitung!

Eine meiner Aufgaben ist die Lehrplangestaltung. Dabei kommt mir sehr zugute, dass ich während unseres ersten Terms viel in den örtlichen Gemeinden unterwegs war und einen Einblick in die Herausforderungen bekommen habe, in denen unsere Pastoren stehen. Das hilft sehr, den Unterricht darauf abzustimmen. Wir haben z.B. gemerkt, dass wir einen viel größeren Wert auf den Umgang mit der Geisterwelt legen müssen. Das ist für die Leute hier so real und so präsent – wenn wir das Thema an der Bibelschule nicht behandeln, dann gehen unsere Gemeinden unreflektiert damit um.

Wir hatten dieses Jahr zwei Todesfälle unter den Studenten. Im Mai starb eine  Mutter von drei Kindern. Sie und ihr Mann haben bei uns studiert. Sie sind aus Mbunai, einem Dorf an der Südküste. Wir sind als gesamte Bibelschule zur Beerdigung gefahren, um dem Witwer und seinen Kindern beizustehen. Bei aller Trauer war es doch auch schön zu sehen, wie für uns als Christen das Leben und Sterben von Hoffnung geprägt ist – und wie unser Glaube uns zu Geschwistern macht. Da wird alles andere zweitrangig. Unterschiede wie Lehrer und Student, Weißer und Brauner, Deutscher und Neuguineer werden so verschwindend gering und wir spüren etwas vom Eins-sein in Christus.

Das Haus, in dem die Familie bei uns an der Bibelschule wohnte, wurde übrigens anderen Studenten angeboten, aber sie haben dankend abgelehnt – der Geist der Verstorbenen sei noch dort. Eine unserer Lehrerinnen zog dann ein.

Einige unserer Studenten sind gesundheitlich schwer angeschlagen. Wir beten immer wieder mit ihnen und bitten Gott um sein Eingreifen.

Yvonnes Spalte

Wieder zurück. Es war schön wieder hier nach Manus zu kommen, die vertrauten Gesichter wieder zu sehen und zu erleben, wie die Kinder der Station auf unsere Kinder gewartet haben. In der Zwischenzeit warten die Freunde oft schon morgens um 8.00 Uhr auf unsere zwei Großen, damit sie mit ihnen spielen können. Nicht selten ist eine Mannschaft von 10-15 Kindern ums Haus, die bleiben bis ich sie abends nach Hause schicke. Besonders gern kommen sie natürlich rein, um mit den Spielsachen zu spielen. Allerdings habe ich da die Freundezahl begrenzt. Wer zu spät kommt, muss dann eben doch wegen Überfüllung draußen am Sandkasten spielen.

Gerne hätten wir Johnny und Joy in den kirchlichen Kindergarten geschickt, aber der besteht leider nicht mehr. Da mussten wir nach einer anderen Lösung suchen. Johnny und Joy sind sehr lernbegierig und wollten nicht nur lernen wie man Bohnen schneidet. So baten wir die ehemalige Erzieherin uns privat zu helfen. Anfang Februar fing dann unser hauseigener Kindergarten an. Die Kinder haben da einen riesen Spaß und lernen viele biblische Geschichten kennen, singen, beten und machen noch ihrem Alter entsprechend ein kleines Vorschulprogramm. Für mich ist Mirjam auch eine großes Hilfe, da sie auch mit anpackt wenn größere oder auch kleinere Aufgaben im Haus anfallen. Ihr wisst ja, der Schimmel ist hier immer und überall.

Ja und am 7. Juli haben wir auch noch unsere Judy bekommen. Johnny wollte zwar erst lieber einen kleinen Bruder haben, aber als er sie sah meinte er „Eine Schwester ist doch viel besser!“ Johnny und Joy lieben die kleine Judy. Oft singen sie selbsterdachte Lieder, wie: „Judy ist die Beste! Judy ist die Schönste!“ Wenn das nicht Geschwisterliebe ist! Und manchmal, wenn Judy ganz brav ist, darf sie auch schon mal in den Kindergarten :-)

Gemeindebesuche, Predigtdienste, Schulungen...

Langweilig wird's auch außerhalb des Unterrichts an der Bibelschule nicht. Das Jahr über war ich immer wieder zum Predigen in Gemeinden unterwegs; manchmal habe ich auch Studenten dazu mitgenommen und wir haben das Programm gemeinsam gestaltet. Mit der Gemeinde in Lorengau, unserer Provinzhauptstadt, habe ich einige Abende über das Thema Gemeindeleitung nachgedacht. Bei der Kirchenkonferenz Ende September hielt ich die Bibelarbeiten. Ich hatte eigentlich vor, in dem Bereich noch deutlich mehr zu machen. Diese Kontakte in die Gemeinden hinein sind mir wichtig, aber durch die Aufgabe an der Bibelschule kam ich einfach nicht dazu. Das Jahr war wirklich gut voll gepackt.

Zwischenstopp

So tut's auch gut, jetzt in der ruhigeren Phase des Jahres angekommen zu sein. Bis Mitte Dezember bin ich hier in Port Moresby, um einige Kurse an der Universität  zu belegen (es geht um Lehrplanentwicklung, Unterrichtsgestaltung, etc.). Yvonne und die Kinder sind auf Manus geblieben; das erschien uns allen sinnvoller zu sein.

Wenn ich zurück bin, geht's direkt auf Weihnachten zu. Voraussichtlich bin ich bei einer unserer Gemeinden zu Weihnachtskonferenz. Im Januar kommen wir als Missionarsteam in Port Moresby mit Martin Auch und Martin Kocher aus Bad Liebenzell zusammen, danach haben wir ein paar Tage Urlaub und dann freuen wir uns auf den Start des neuen Schuljahrs an der Bibelschule. Die Anmeldezahlen sind gut und wir sind gespannt, wer alles auftaucht - so genau weiß man das im Voraus manchmal nicht...

Wie immer – und doch viel zu selten – ein großes Dankeschön allen, die in irgendeiner Weise möglich machen, dass wir hier unsere Arbeit tun können!

Ganz herzliche Grüße und eine gute und gesegnete  Weihnachtszeit,

Simon & Yvonne


Unsere Adresse:

Simon & Yvonne Herrmann

P.O. Box 520 

Lorengau, Manus, PAPUA NEW GUINEA

Tel.: (+675) 737 750 18

eMail: simon-herrmann@gmx.net

Bankverbindung für Spenden:

Zahlungsempfänger: Liebenzeller Mission

Konto-Nr.: 33 00 234

BLZ: 666 500 85

Bank: Sparkasse Pforzheim-Calw

Verwendungszweck: SPC 3735 / Arbeit Herrmann

 

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